Seit Beginn der ersten Recherchen zu meinem Fotobuch „Frau Norbert und Herr Mandy“ im Jahr 2017, meinen ersten Anfragen, den ersten Begegnungen sowie Gesprächen, sind bereits ein paar Jahre vergangen. Das Fotobuch konnte ich Ende 2018 fertigstellen, mein Kolloquium Anfang des Folgejahres absolvieren. Je mehr ich mich mit der Arbeit befasste, desto klarer wurde mir, dass das Fotobuch keineswegs einen Endpunkt des Projekts darstellt, sondern der Auftakt einer weiteren Reise ist. Diese beginnt heute.

Vorurteilen begegnen

Als Teil unserer Gesellschaft bin ich mit den gleichen Vorurteilen aufgewachsen, wie jede*r andere auch. Als Teil der Queer-Community lernte ich, diese zu hinterfragen, da ich unweigerlich mit ihnen konfrontiert wurde.

Viele Menschen verstehen nicht, was es bedeutet, nicht der vermeintlich gesellschaftlichen Norm zu entsprechen, ein Leben lang um Anerkennung sowie die eigenen Rechte kämpfen zu müssen. Sich mit Diskriminierung und Ausgrenzung zu befassen, physische und psychische Gewalt zu erleben. Und, natürlich, mit deren Auswirkungen auf das eigene Leben und Umfeld umzugehen.
In machen Punkten verstehe ich es auch heute noch nicht, manche Erfahrungen habe ich nicht gemacht und einige werde ich hoffentlich nie machen müssen. Was ich verstehe ist, dass es jeden Tag, weltweit, Menschen gibt, denen diese Einschnitte ins Leben widerfahren.

Die eigenen und gesellschaftlichen Vorurteile, die sich oftmals aus der kollektiven Unwissenheit und der Angst vor Veränderungen und Unbekannten speisen, gilt es zu begegnen.

Unwissenheit erkennen

Der eigenen Unwissenheit muss man sich jedoch zunächst erst bewusstwerden. Im Zuge meiner damaligen Recherche stieß ich auf verschiedene Darstellungen von trans* Personen in den Medien und in der Fotografie. Während es einige exzellente Arbeiten gab, folgte die Mehrheit der Bedienung allgemein bekannter Stereotypen. Beiträge, die vorgaben aufklären zu wollen, verstärkten das Exotenbild. Häufig wurde sichtbar, dass die Quote über der journalistischen Recherchearbeit stand.

Je mehr ich selbst recherchierte, je mehr ich mit Menschen sprach und mich in Fachlektüre einlas, desto klarer wurde mir, wie komplex das Thema ist und wie uneindeutig viele Punkte des Komplexes sind. Von Begriffen über Definitionen bis zu Einstellungen zu bestimmten Sachverhalten – vieles beruht auf individuellen Sichtweisen und viele Sichtweisen reklamieren für sich Allgemeingültigkeit.

Mir war und ist es wichtig, die Vielfalt und Diversität der verschiedenen Wege, Personen und Sichtweisen darzustellen.

Einblicke erhalten

Das Buch entstand unter dem Gedanken und der Intention, eine offene Begegnung mit Menschen auf Augenhöhe zu schaffen. Basierend darauf ermöglicht das Projekt #BEINGTRANS einen Einblick in das Leben der Menschen und ihren Umgang mit alltäglichen Einschränkungen und deren Auswirkungen. Es ist eine Sammlung von inspirierenden Alltagsgeschichten, positiven wie negativen Erfahrungen, persönlichen Gedanken und individuellen Erkenntnissen zum Themenkomplex „Trans*“. Sie erheben keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit, jede Lebensgeschichte ist anders und spiegelt die Sichtweise der jeweiligen Person zu dem Zeitpunkt der Begegnung wider.

Gemeinsam weiterentwickeln

Durch die vielfältigen Sichtweisen, Erzählungen und Anregungen kann man beginnen, ein eigenes Bild zu formen. Durch weitere vielschichtige Inhalte und Blickwinkel kann auch die Sammlung der Projektwebsite weiterwachsen, sich verändern und ergänzt werden. Durch die Partizipation, durch das Einreichen von eigenen Geschichten, Meinungen sowie Kritiken können neue Ideen und Beiträge entstehen, die den Diskurs fördern und die Sammlung weiterentwickeln.

Darauf hoffe ich, darauf freue ich mich. Doch zum Start der Projektwebsite möchte ich zunächst alle willkommen heißen und zum Verweilen einladen.

Liebe Grüße
Lennart

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